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Wieso ich dich das frage? Weil Teilnehmer mit Spaß viel leichter lernen. Und weil eine ordentliche Portion Entertainment nicht nur den Teilnehmern das Unterrichtsleben leichter macht, sondern auch dir selbst!

Am Anfang wusste ich das nicht. Weder, dass eine Art Unterhaltungsgen gebraucht wird, noch, dass ich es überhaupt habe. Lies hier, wie es mir ergangen ist und wieso das für mich ein Aha-Erlebnis war …

Dozentin bin ich mehr durch Zufall geworden. Das war nicht mein Plan oder mein Ziel, weil ich nicht angenommen hätte, dass diese Tätigkeit etwas für mich wäre.

(Auch wenn vor Jahren in einem Engelseminar die Leitung zu mir meinte, ich hätte eine Dornenkrone auf (ob es da wohl eine Anlaogie zu meinem Namen an sich gab?) und sie sähe in meiner Zukunft eine Tätigkeit als Dozentin. Echt? Tatsächlich! Wer hätte das gedacht? Ich nicht, denn Engel sind nicht so mein Thema.)

pixabay/Alexas_Fotos

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Beworben hatte ich mich jedenfalls fürs Büro bei einem Weiterbildungsanbieter, um dort nebenberuflich mit einem zweiten Standbein Kursteilnehmer zu betreuen und Seminarunterlagen zu erstellen, usw..

Im Vorstellungsgespräch ging es dann aber darum Kurse zu geben. Nun gut,  das mache ich ja auch schon seit Jahren in meinem Bereich, warum also nicht auch auf dem Sektor der beruflichen Weiterbildung?

Kursziel Teilnehmer befähigen

Nachdem ich die Herausforderung zu unterrichten angenommen hatte, habe ich mich hingesetzt und habe die gewünschten Kursmodule für die berufliche Aktivierung erstellt. Dabei habe ich mir vorgestellt, was ich mit meinem Unterricht bewirken möchte: Ich wollte Lust auf die Tätigkeit vermitteln, Sicherheit durch Wissen geben, Raum für Kreativität lassen, Zeit für Entfaltung der Persönlichkeit.

Kurz: Ich wollte meine Teilnehmer befähigen und somit ihr Selbstvertrauen durch Wissen und Tun stärken.

pixabay / intographics

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Inhalte

So erhielt jedes der 40 Module einen roten Faden, der mit der Frage begann: Was ist das, worum geht es? Natürlich sollten sich hier die Teilnehmer gleich schon einbringen. Ich dachte ja, das sei auch ihr eigenes Interesse sich diese Themenfelder zu erschließen. Ich bin also davon ausgegangen, dass wir am Ende alle dasselbe wollten. Dann wollte ich darauf aufbauen, ein paar Übungen und Vertiefung einstreuen, am Ende alles zusammenfassen und mich daran erfreuen, dass die Teilnehmer richtig schön was gelernt hatten.

“Dozent und Teilnehmer wollen dasselbe, oder?”

Ausarbeiten mit Struktur

Da ich ein gründlicher Mensch bin und strukturiertes Vorgehen mir selbst hilft, war es natürlich nicht genug die Inhalte auszuarbeiten. Sowieso musste ein Fahrplan erstellt werden, wann was während des Unterrichtstages wie oder womit vermittelt werden sollte.

Dazu gibt es sowohl die Möglichkeit eine Art Agenda in Kurzform zu erstellen, die auch dem Auftraggeber als Richtschnur zu den Inhalten dient, als auch die minutiös ausgearbeitete Version der umfassenderen Planung, die für einen Unterrichtstag schon mal zwei bis drei Seiten umfassen kann. Natürlich als Tabelle. Und vor allem für mich selbst. Zum Einschätzen der benötigten Zeit und um in der geplanten Zeit zu bleiben. So kann sichergestellt werden, dass die geplanten Inhalte auch vermittelt werden.

Arbeitsanleitung

Und weil mir das noch nicht reichte, habe ich mir dann auch gleich ein Begrüßungsprotokoll für den ersten Tag geschrieben. Dort habe ich nicht nur notiert was wann dran ist, so als eine Art Spickzettel, – nein, – da habe ich auch gleich aufgeschrieben was ich wann sagen wollte!

Natürlich war klar, dass das nur eine Vorwegnahme sein konnte, an die ich mich im besten Fall erinnern konnte, wenn es so weit war, wenn ich vor der Klasse stand (jaja, klassisch frontal, was sonst) und die Aufregung mir auf das Gedächtnis und das Sprachzentrum schlagen würde.

Vorbereitung

Mir hat es zunächst auch geholfen ein detailliertes Kursscript zu erstellen. An meinem ersten Tag war ich rechtzeitig da, habe alles vorbereitet, die Anordnung der Tische anders vorgenommen (schwerer Fehler, wenn Teilnehmer bereits in einem Raum mit einer Anordnung von Tischen unterrichtet wurden), habe mich an meinem „Lehrerpult“ eingerichtet und mutierte so langsam zur seriösen Lehrkraft.

Ich begrüßte alle Teilnehmer, die den Raum betraten, bat um Eintragung in die Anwesenheitsliste und ließ mich solange begutachten, bis die Unterrichtszeit begann.

pixabay/geralt

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Improvisieren

Ich folgte zunächst meinem Plan, musste mich allerdings sehr beherrschen die bereits vorgefertigten Sätze nicht einfach abzulesen. Das war eine ziemliche Konzentrationsübung, wie ich rasch merkte, so dass ich durchatmete und mich auf mein Improvisationstalent verließ. Ja, auch dieses Gen ist im Unterrichtsgeschehen ganz hilfreich.

Unangenehme Konsequenzen

So nach und nach kam ich in Schwung und konnte mich gedanklich an meiner Ausarbeitung entlang hangeln. Dass die Teilnehmer zunächst immer ruhiger wurden, später dafür unruhiger, nahm ich zwar zur Kenntnis, doch ich musste ja meinen Unterricht machen …

Du ahnst vielleicht schon worauf es hinauslief … Der Unterricht war gut vorbereitet. Der Inhalt war gut und auch gut aufgebaut. Es war eigentlich alles perfekt, – bis auf: dass ich eher steif vor den Teilnehmern stand und damit beschäftigt war alles richtig zu machen!

“Richtig ist, was für beide Seiten gut funktioniert.”

 

Widerstand

Tja, das ging ungefähr zwei Tage gut – ein halbes Jahr lag noch vor uns -, dann knallte es. Zuerst gab es vereinzelten Widerstand, der sich dann zeigte, wenn ich die Teilnehmer einbinden wollte und eine Übung vorschlug. Sie wollten einfach nicht so ohne weiteres mitmachen. Wieso nicht?

Klar war der Unterrichtsstoff für sie gemacht. Mit Blick auf ihre Person und die möglichen Bedürfnisse. Doch die Teilnehmer hätten wohl ebenso gut abwesend sein können, während meiner Darbietung.

“Frau Rottenmeier”

Am dritten Tag gab es plötzlich stärkeren Widerstand. Die Gruppe hatte einen Sprecher gefunden, der sich zunächst durch Abwertung an mich wandte. Mein Mund verkniff sich, meine Körperhaltung wurde steif. Und ich wurde bockig. Ich musste ja meinen Unterricht machen. Dann also mit eiserner Strenge, wie Frau Rottenmeier bei dem Heimatfilm „Heidi“.

pixabay/geralt

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Krisengespräch

Du kannst dir schon denken, dass das natürlich gepflegt in die Hose ging, oder? Haha. Es folgte am nächsten Tag ein Krisengespräch mit dem Gruppensprecher und der Leitung des Unterrichtsbereichs der Weiterbildungseinrichtung. Das war schwer. Für meinen Stolz. Besonders, weil ich nicht recht verstanden hatte, was denn eigentlich das Problem war. Ich hatte doch an alles gedacht, auch an die Bedürfnisse der Teilnehmer? Wieso funktionierte das nicht?

 

Die Antwort war:
Ich war zu steif, zu unpersönlich, zu ernst. Das gefiel den Teilnehmern nicht nur nicht, es war ihnen sogar eher unangenehm. Und sie fühlten sich gar nicht gesehen!

 

Besondere Voraussetzungen

In diesem Fall gab es schon vorher eine Art Widerstandsgeist aufgrund des Umstandes überhaupt in solchen Unterricht zu MÜSSEN. Es war keiner freiwillig da. Und viele hatten schon die tollsten Dinger mit verschiedenen Dozenten erlebt, wie sich im nachfolgenden Gespräch herausstellte.

Der Unterricht war außerdem als rotierendes Verfahren angesetzt und wiederholte sich einfach immer. Wenn das letzte Modul erreicht war, ging es vorne wieder los. Einige Teilnehmer waren bereits zum dritten Mal dabei und fingen immer wieder von vorne an. Lediglich der Dozent wurde nach einem Durchgang ausgetauscht, um ein bisschen frischen Wind reinzubringen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich das aber nicht.

Konstruktives Feedback

Für mich erwies sich jedenfalls dieses Krisengespräch letztlich als segensreich. Die Teilnehmer sagten mir, dass sie mich persönlich zwar mögen würden, aber mit meinem Unterrichtsstil nichts anfangen konnten. Sie wünschten sich von mir mehr Lockerheit, mehr Einbeziehung. Das war wirklich konstruktives Feedback, muss ich sagen.

Nun, da ich wusste was ich besser machen konnte, stellte sich mir die Frage: Wie sollte ich das machen?

pixabay/geralt

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Mehr Entertainment

Zunächst schaute ich mir meine Planung nochmal genauer an. Ein paar Erfahrungswerte hatte ich ja nun schon. Ich speckte inhaltlich etwas ab, um mehr Zeit und Puffer zu erhalten. Baute ein wenig mehr Lockerungsübungen ein.

Umdenken

Dabei stellte sich auch bei mir selbst langsam ein Umdenken ein. Dadurch, dass ich den Fokus weg vom Schaffen des Zeitplans und dem Vermitteln der Inhalte hin auf die Umsetzung richtete, wurde ich selbst schon etwas lockerer.

Ich hatte jetzt auch den Vorteil, dass ich mit den Teilnehmern im Gespräch war. Ich stellte mich nach der Krisensitzung vor die Klasse und berichtete davon. Erzählte auch was wir vereinbart hatten und wie ich weiter vorgehen wollte. Daran konnte ich jetzt immer anknüpfen, wenn es mal nicht so lief. Der Kanal zu den Teilnehmern war offen. Ich brauchte sie bloß zu fragen, was Sie sich wünschen würden vom Unterricht.

Mit den Teilnehmern sein

So traute ich mich nun mich auf die Teilnehmer wirklich einzulassen. Zu gucken in welcher Stimmung sie waren. Ich merkte mir Witze, um sie im Unterricht zum Besten zu geben. Kopierte mir lustige Geschichten oder Bilder, um sie zu zeigen oder vorzulesen. Das kam gut an.

Entertainer sein

Mein Mut stieg und ich kam immer mehr aus mir heraus. So machte ich die Erfahrung, dass ich sogar ganz gut darin sein kann unterhaltsam zu sein, wer hätte das gedacht? Privat bin ich nicht unbedingt ein Entertainer. Aber im eher sachbezogenen Kontext gelingt es mir mittlerweile sehr gut meine Teilnehmer zu unterhalten. Sicher, dazu gehört es oft auch von sich als Mensch etwas mehr zu zeigen. Für mich war das ein alles veränderndes AHA-Erlebnis, das mir gezeigt hat, dass mit Humor auch Unterricht leichter gelingt.

pixabay/Pixaline

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Leichter lernen

Seit ich verstanden habe, dass zu einem guten Unterricht mehr gehört, als einen guten Kurs zu erstellen, habe ich eine viel bessere Zeit mit meinen Teilnehmern, und die mit mir. Und der Bonus dabei ist: In dieser Atmosphäre lernt es sich leichter. Weil Spaß haben Blockaden abbaut, den Mut steigen lässt, Anspannungen vergehen lässt und den Weg frei macht für Kreativität. So ist auch persönliche Entwicklung und Entfaltung möglich.

Ziele erreicht

Am Ende habe ich meine Ziele für einen guten Unterricht also erreichen können. Nur anders, als ich dachte. Und viel unterhaltsamer, als ich vermutete. 😉

Und du?

Wie ist es bei dir? Hast du solche Erfahrungen auch schon gemacht? Bist du Entertainer? Und wie bringst du Humor mit ins Spiel?

 

Und dann gibt es ja noch Methoden

Gerade, wenn du im virtuellen Raum mit Teilnehmern arbeitest. In virtuellen Klassenzimmern, wie bei Adobe Connect, Vitero, und wie sie alle heissen, oder Webinare gibst, Zoom Sessions hältst, dann hast du die zusätzliche Herausforderung der Anonymität zu meistern.

Obwohl die Teilnehmer in der Regel namentlich bekannt sind, weil sie sich für deinen Kurs anmelden müssen, sind sie nicht so sichtbar, wie im Präsenzbereich.

Manche schüchtert auch die Technik ein, und hält sie davon ab sich aktiv am Thema zu beteilligen.

pixabay/oldiefan

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Im Falle eines Kurses ist das nicht gut. Denn Teilnehmer lernen am besten, wenn sie das Thema betrifft, sie Emotionen damit haben, Wünsche an und Ziele mit dem Thema. Dazu ist es am effektivsten, wenn sie nicht nur in der Zschauerrolle sind, oder sich reihenweise Notizen währen der Veranstaltung machen, sondern wenn sie wirklich und aktiv mitmachen.

Und dafür kannst du etwas tun. Indem du deinen Unterricht auch didaktisch planst. Also berücksichtigst, dass Teilnehmer verschieden sind, und verschieden lernen. und wie Lernen überhaupt funktioniert. Und dann den Rahmen schaffst, dass Teilnehmern der Bezug leichtfällt, sich Hemmschwellen abbauen, sich beteiligen, und so richtig viel aus deinem Kurs mit nach Hause  nehmen.

Theo freut sich

Tadaaa

Und damit du nicht immer dieselben Sachen abspulst, und dir mit der Zeit langeweilig wird, hat Anja Röck sich eine Buchreihe überlegt: Methoden, die im virtuellen Raum funktionieren, Teilnehmer munter machen, Lust auf mitmachen machen, und auch dem Kursleiter/Dozenten einen Nutzen bringt, der über eine gute Zeit mit den Teilnehmern hinausgeht.

Der erste Band der neuen Reihe “Varrier meine Weinarmethode” enthält eine Sammlung erprobter Methoden. Und wenn ich das so schreiben, kann ich dir sagen: Alle Autoren haben alle Methoden selbst getestet. Ich bin eine der Autorinnen. Das Buch ist im Laufe eines Jahres und mit vielen gemeinsamen Onllinesitzngen entstanden, in denen wir die Methoden ausprobiert und diskutiert haben.

Co-Autorin Stephanie Mertens

Buch kaufen

 

Am Ende ist ein – wie ich finde – sehr nützliches Buch entstanden, das schnelles Nachschlagen einer geeigneten Methode ermöglicht, wenn die Teilnehmer gerade im grossen Schweigen ausgebrochen sein sollten, oder bereits vor Müdigkeit unter dem Schreibtsich liegen und nicht mehr wirklich leistungsfähig sind.

Mit diesen Impulsen und Ideen lässt sich der Unterricht wirklich sehr schön bereichern. Probiere es doch bei deinem nächsten Kurs, Webinar selbst einmal aus und berichte mir gerne von deinen Erfahrungen dabei.

 

Mein Aha-Erlebnis und meine Erkenntnis daraus –
Meine Kernaussage: Humor macht Unterricht und Lernen leichter!

 

Stephanie Mertens

Beitrag überarbeitet Ende Mai 2019